Maremma-Schäferhund oder Abruzzesischer Schäferhund: Ist es die gleiche Rasse? Hier erfahren Sie, warum sich ihr offizieller Name geändert hat.

Die Fédération Cynologique Internationale (FCI) hat die offizielle Umbenennung der Rasse von Cane da Pastore Maremmano Abruzzese in Cane da Pastore Abruzzese Maremmano genehmigt. Damit wurde einem Antrag entsprochen, der die enge historische Verbindung dieses Hundes mit der Region Abruzzen stärker hervorheben soll.

Diese Änderung betrifft ausschließlich die offizielle Bezeichnung und bringt keinerlei Veränderungen des Rassestandards, der morphologischen Merkmale oder der charakteristischen Eigenschaften mit sich, die diesen außergewöhnlichen Herdenschutzhund seit jeher auszeichnen.

Für viele Liebhaber wird es weiterhin selbstverständlich sein, von einem „Maremmano“ zu sprechen – eine Bezeichnung, die sich im allgemeinen Sprachgebrauch fest etabliert hat. In offiziellen Dokumenten, auf Hundeausstellungen und in Ahnentafeln lautet die korrekte Bezeichnung heute jedoch Cane da Pastore Abruzzese Maremmano. Damit wird die grundlegende Rolle anerkannt, die die Abruzzen bei der Erhaltung und Zucht dieser alten italienischen Rasse gespielt haben.

Die frühere offizielle Bezeichnung lautete „Pastore Maremmano Abruzzese“, ein Name, der die doppelte territoriale Tradition widerspiegelte. Im allgemeinen Sprachgebrauch wurde sie jedoch häufig zu „Maremmano“ verkürzt – nicht zuletzt aufgrund der internationalen Verbreitung der englischen Bezeichnung Maremma Sheepdog.

Der Rassestandard von 1958

Ein entscheidender Wendepunkt kam im Jahr 1958, als der bedeutende Kynologe Professor Giuseppe Solaro den offiziellen Rassestandard verfasste.

Anhand morphometrischer Messungen an Hunderten von Hunden aus verschiedenen Regionen Italiens konnte Solaro nachweisen, dass die Unterschiede zwischen den sogenannten „Maremmani“ und „Abruzzesi“ lediglich unterschiedliche Typausprägungen darstellten und keine ausreichende Grundlage für die Anerkennung zweier eigenständiger Rassen boten.

Seitdem gilt der Pastore Maremmano Abruzzese als eine einzige zootechnische Einheit, obwohl innerhalb der Rasse weiterhin eine gewisse morphologische Variabilität besteht, die auf die Selektion in unterschiedlichen Gebieten zurückzuführen ist.

Sehr alte Ursprünge

Der weiße Herdenschutzhund besitzt äußerst tiefe Wurzeln in der Geschichte des Mittelmeerraums.

Vor etwa 4.000 Jahren gelangte er wahrscheinlich zusammen mit den indoeuropäischen Völkern (den Ariern) nach Italien, die eine hochentwickelte Hirtenkultur mitbrachten. Diese betrieben die Transhumanz und benötigten kräftige und mutige Hunde, um ihre Herden gegen Raubtiere wie Wölfe und Bären zu schützen.

Zur Römerzeit ist der canis pastoralis belegt – ein weißer Hirtenhund, der klar von Jagdhunden und Wachmolossern unterschieden wurde. Er galt als unverzichtbar für die Schafhaltung.

Im Mittelalter und in der Renaissance (1300–1600) war die italienische Halbinsel in zahlreiche Staaten aufgeteilt. Das Königreich beider Sizilien gründete 1447 die Regia Dogana della Mena delle Pecore di Foggia, welche die Transhumanz regelte und den Viehtrieb entlang der großen Tratturi – bis zu 100 Meter breiten Graswegen – besteuerte. Es handelte sich um eine regelrechte Hirtenindustrie, bei der Herden bis zu 40.000 Tiere umfassen konnten.

Neben dieser offiziellen Transhumanz nach Apulien bestanden auch weniger organisierte Wanderrouten in Richtung Toskana (Maremma der Provinzen Grosseto und Latium) sowie in die Marken (Gebiet von Ancona). Diese Wege waren zwar kostengünstiger, aber auch risikoreicher, da sie lokalen Abgaben sowie Gesundheitsgefahren wie der Malaria in den Küstenebenen der Maremma ausgesetzt waren.

Gerade diese beiden Formen der Transhumanz begünstigten die Verbreitung des weißen Herdenschutzhundes sowohl in den Abruzzen als auch in der Maremma, allerdings unter unterschiedlichen Selektionsbedingungen.

Die Abruzzen – das Herz der Rasse

In den Abruzzen war die Schafhaltung nicht lediglich ein Wirtschaftszweig, sondern die wichtigste wirtschaftliche Grundlage der gesamten Region. Das soziale und wirtschaftliche Leben der Berggemeinden beruhte auf Schafen und Wolle.

Aus diesem Grund verfolgten die Hirten der Abruzzen eine besonders strenge Zuchtauswahl:

  • Bevorzugt wurden besonders imposante Rüden, die häufig durch Kraftproben und nächtliche Kämpfe zwischen Hunden verschiedener Herden ausgewählt wurden.
  • Es wurden konsequent weiße Hunde selektiert – sowohl aus praktischen Gründen, da sie bei Wolfsangriffen leichter von den Raubtieren zu unterscheiden waren, als auch aus symbolischen Gründen: Weiß galt als Farbe der Reinheit im Gegensatz zum Schwarz des Raubtiers.

Dieser starke Selektionsdruck führte zu dem großen, majestätischen, kraftvollen und gleichzeitig ausgeglichenen Hund, den wir heute als Pastore Abruzzese kennen.

Maremma und Toskana – sekundäre Verbreitung

In der Maremma und in der Toskana gelangte der weiße Herdenschutzhund gemeinsam mit den wandernden Schafherden in die Region.

Dort war die Selektion jedoch deutlich weniger streng:

  • Die Hunde wurden teilweise mit anderen lokalen Rassen gekreuzt.
  • Sie dienten häufig auch als Statussymbol und Wachhund auf den Gütern des toskanischen Adels.
  • Dadurch entstanden teilweise weniger kräftige und stärker wolfsähnliche Hunde, insbesondere wenn sie außerhalb des traditionellen Hirtenwesens der Abruzzen gezüchtet wurden.

Die Toskana spielte jedoch eine entscheidende Rolle bei der internationalen Verbreitung des Namens „Maremmano“. Ende des 19. Jahrhunderts exportierte eine englische Touristin erstmals einen in der Maremma gesehenen weißen Herdenschutzhund nach England und meldete ihn auf einer Hundeausstellung in London unter der Bezeichnung Maremma Sheepdog an. Von dort aus setzte sich dieser Name weltweit durch.

Die Diskussion um den Namen

In den 1950er Jahren entstanden zwei getrennte Rassevereine:

  • Club del Pastore Abruzzese (1950 in den Abruzzen), gegründet von Professor Pischedda.
  • Club del Pastore Maremmano (1953 in Brescia).

Der einheitliche Rassestandard von 1958 beendete zwar die Trennung, die Diskussion um den Namen verstummte jedoch nie.

In den Abruzzen wurde mehrfach versucht, offiziell die Bezeichnungen „Pastore Abruzzese“ oder „Mastino Abruzzese“ durchzusetzen.

Offiziell blieb die Rasse jedoch als Pastore Maremmano Abruzzese registriert.

Im allgemeinen Sprachgebrauch sowie international dominiert weiterhin die Kurzform „Maremmano“, während sich die italienischen Rassevereine heute für die vollständige offizielle Bezeichnung einsetzen.

Zootechnische Merkmale

Der Pastore Maremmano Abruzzese ist ein robuster Herdenschutzhund, der optimal an das Leben und die Arbeit in der extensiven Weidewirtschaft angepasst ist.

Fell: stets weiß, gelegentlich mit leicht elfenbeinfarbenen Schattierungen oder kleinen hellen Flecken (zulässig, jedoch nicht erwünscht).

Größe: Rüden 65–73 cm Widerristhöhe (35–45 kg), Hündinnen 60–68 cm (30–40 kg).

Körperbau: ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus, wobei Rüden deutlich kräftiger und massiger sind.

Wesen: ausgeglichen, stolz und unabhängig, zugleich jedoch tief mit seiner Herde und seinem Territorium verbunden.

Aufgabe: Schutz des Viehs vor Raubtieren wie Wolf, Bär und verwilderten Hunden mit großer Wirksamkeit, ohne unnötige Aggressivität gegenüber Menschen.

Heutige Verbreitung

Früher vor allem in Mittel- und Süditalien verbreitet, erlebt der Pastore Maremmano Abruzzese heute eine neue Expansion.

Mit der Rückkehr des Wolfs in die Alpen und den nördlichen Apennin wird er zunehmend wieder als Herdenschutzhund eingesetzt.

Heute ist die Rasse in ganz Europa – beispielsweise in Dänemark, den Niederlanden und Deutschland – sowie auch auf anderen Kontinenten verbreitet. Geschätzt wird sie vor allem wegen ihrer Zuverlässigkeit als Herdenschutzhund, der zwar nicht übermäßig aggressiv, aber außerordentlich effektiv arbeitet.

In Italien werden jährlich rund 1.300 Welpen registriert, ein erheblicher Teil davon wird inzwischen in Norditalien gezüchtet.

Fazit

Der Pastore Abruzzese Maremmano ist eine Hunderasse, die untrennbar mit der Geschichte der italienischen Wanderschäferei verbunden ist.

Ihr genetisches und kulturelles Zentrum liegt in den Abruzzen, wo die jahrhundertelange sorgfältige Selektion durch die Hirten den großen, weißen und imposanten Herdenschutzhund hervorgebracht hat, den wir heute kennen.

Die Maremma in der Toskana und in Latium trug entscheidend zur Verbreitung des Namens und zu seiner internationalen Bekanntheit bei.

Heute gilt diese Rasse als eine der bedeutendsten Herdenschutzhunderassen der Welt – robust, stolz und zugleich ausgeglichen, fähig, die jahrhundertealte Hirtenkultur mit den Anforderungen der modernen Nutztierhaltung zu verbinden.

Sie ist damit ein bedeutendes zootechnisches und kulturelles Erbe Italiens, das auf eine mehrere Jahrtausende währende Geschichte zurückblickt und heute nicht nur auf den Weiden der Abruzzen, sondern in ganz Europa eine wichtige Rolle spielt.